Mein Weg zur Politik


Man könnte es so sagen: Seit ich denken oder zumindest einfachste Zusammenhänge reflektieren kann, bin ich mit politischen Themen konfrontiert. Ob ich nun wollte oder nicht. Ein seit Generationen politisches / politisch aktives Elternhaus hat dazu beitragen. Hat dafür gesorgt, dass meine Brüder und ich, sowohl mit den Biographien von bestimmten Mitgliedern unserer Familie im Kontext der wechselvollen Geschichte Deutschlands, als auch über zeitgenössische Entwicklungen im Nachkriegsdeutschland, umfangreich ins Bild gesetzt wurden. Die Tatsache, dass meine Eltern, anlässlich der Wahl von Willy Brand zum Bundeskanzler, eine Kinderparty für uns Zöglinge schmissen, ich also im zarten Alter von 7 Jahren mehr oder minder ausführlich über politisch erfreuliche Zäsuren der Bundesrepublik aufgeklärt werden sollte, vermittelt einen ungefähren Eindruck dieser meiner Herkunft. Welche Wahl hatte ich also im Folgenden, als zu einem, zumindest dem Interesse nach, politischen Menschen zu werden ? Gleichwohl stand für mich – trotz oder vielleicht auch wegen dieses familiären Bildungsehrgeizes – eine professionalisierte Auseinandersetzung mit Politik im weiteren Verlauf meines Lebens nicht zur Debatte. Ein Studium der Geschichte, Politik oder Soziologie habe ich nie erwogen. Meine Leidenschaft zur Kunst und Architektur war immer größer, war übermächtig. Allerdings gehörte ich in meinem Fachbereich dann doch eher zu den politisch Aktiveren (kurze Zeit innerhalb und meistens außerhalb des AStA), obschon immer mit Bedacht, daraus keinen Fulltimejob werden zu lassen.

Berührungspunkte gab es ferner in den 80er, noch zu Schulzeiten, mit der Friedens- und Anti-AKW-Bewegung. Und später dann, in den frühen 90er während meiner Studiensemester in Venedig, mit der Partito Democratico della Sinistra (einem damals neugegründeten und reformierten Arm der sich aufgelösten KPI), wobei ehrlicherweise den Grund meines halbjährigen Engagements, vorrangig das Charisma und der Charme der zweiten Vorsitzenden der PDS-Sezione di Venezia lieferte, denn mein Wille zur politischen Mitgestaltung. Last but not least, sind meine sporadischen Kontakte / Unterstützungen für Amnesty International zu nennen, namentlich ungezählte Aktionen gegen die Todesstrafe, bzw. Ende der 80er zu Gunsten von politischen Gefangenen in der RSA. Ich bin dabei im Alter von 24 Jahren mit studentischen Vertretern des ANC auf Einladung von AI zusammengekommen. Die Gespräche über die bedrückende und dennoch, wegen des sich anbahnenden Wandels, nicht hoffnungslos erscheinenden Situation vieler Oppositioneller in den Knästen am Kap, haben mich nachhaltig geprägt und meinem Weltbild in Sachen Unrecht und Hoffnungsfähigkeit, so etwas wie einen letzten Schliff verpasst.


Mein Weg zu den Piraten:


Es war wohl eher das schlechtes Gewissen, was mich das Abenteuer meines ersten politischen Engagements in einer deutschen Partei hat eingehen lassen. Die Selbstvorwürfe, zum Einen, sich maulheldenhaft über gesellschaftliche Missstände und Fehlentwicklungen zu ereifern, über Alternativen zu theoretisieren, als ließen sich Veränderungen mit Worten allein herbeiführen, und zum Anderen, kaum etwas zu tun, sich dem Mitwirken an dringend gebotenen Veränderungsprozessen faktisch zu verweigern.

Weil mir das Spektrum an Parteien mit parlamentarischer Gestaltungsoption hierzulande eher wenig zusagte, stand mir allerdings von jeher eine Ausrede für meine Tatenlosigkeit zur Verfügung. Irgendwie bequem.

Das hat sich jedoch mit dem Einzug der Piraten in das Berliner Abgeordnetenhaus unversehens geändert.

Dass ich den Piraten – auf Grund ihres Eintretens für ur- und „digital“-demokratische Bürgerrechte, gewiss auch wegen des sympathisch-authentischen Menschenschlages – bereits seit ihrer ersten öffentlichen Wahrnehmung sehr zugetan war, will an dieser Stelle nur kurz erwähnt sein. Ich räume allerdings ein, nie ernstlich ein Mitwirken in einer Partei erwogen zu haben, mit der man zwar viele inhaltliche Ziele teilt, die aber letztlich kaum Chancen auf politische Einflussnahme hat. Ja, ich bekenne mich insofern der Anklage schuldig, nicht in dem Maße über die gewisse Portion Idealismus (vielleicht auch Beharrlichkeit und Weitsicht !?) verfügt zu haben. Bestimmt liegt hierin auch ein nicht unerheblicher Unterschied zwischen den „Altvorderen“ und uns „Neueren“. Zwischen Denen, die den in Schweden konstruierten Zug hierzulande aufs Gleis gebracht und mühsam angeschoben haben, und Jenen, die erst im Laufe der letzten Monaten auf die bereits rollenden Waggons aufgesprungen sind...

Freilich muss man sich als „Zugestiegener“ nicht rechtfertigen, vielleicht nur etwas erklären...

Klar ist: Augenblicklich wäre es für jeden politisch Unzufriedenen töricht und unentschuldbar, immer noch passiv zu bleiben. Jetzt, da die Dinge nun mal so liegen, wie sie sich entwickelt haben und wir in Deutschland mit der Piratenpartei eine echte parlamentarische Alternativkraft aufbieten können.

Ich für meinen Teil, wollte jedenfalls nicht abseits dieser (historischen) Entwicklung stehen. Seit gut einem halben Jahr bin ich nun mit “an Bord“ und dabei wild entschlossen, einen merklichen Beitrag zu Gunsten des politischen Erfolges unserer Partei zu leisten. Bislang bedeutet das für mich eher programmatisch zu wirken. Inhalte zu entwickeln, um das Potenzial unserer Piraten-Politik, als seriöses Gegenangebot zum etablierten Parteien-Einerlei, hervorzuheben. Wobei ich weniger die vielen Protestwähler, welche uns zugetan sind, schlicht weil wir anders sind, welche mutmaßlich den größten Anteil unseres Wählerreservoirs ausmachen und natürlich herzlich willkommen sind, im Blickfeld meiner persönlichen Arbeit habe, als mehr den abwägenden Politikinteressierten. Menschen, die nach seriösen und belastbaren Lösungsalternativen Ausschau halten und denen die Austauschbarkeit von Schwarz-Gelb-Rot-Grün, gehörig auf den Puffer geht. Wenn wir in diesem kritischen Bürgermilieu zusätzlich “stimmlich“ reüssieren könnten, wäre das bestimmt 2 % bis 2,5 % wert.

Nun denn... Meine erste Parteiarbeit hat begonnen und ich bin heilfroh, endlich nicht mehr zu denen zu gehören, die über die Politik unserer Tage wehklagen, aber nichts selbst dagegen unternehmen. Piraten sei dank !


Mein Weg zur Kandidatur

Im Rahmen unserer repräsentativen Parteiendemokratie bedeutet bereits der einfachste persönliche Einsatz an der Basis einer politischen Organisation, egal ob mit programmatischer oder mit organisatorischer Ausrichtung, faktisches Mitwirken an politischen Prozessen. Auf sehr kleiner Flamme zwar, zugegeben, aber immerhin. Das trifft besonders auf uns Piraten zu. Auf unser Delegierten befreites Parteitagssystem und den mannigfachen Gelegenheiten, sich z. B. in AG's, substanziell und nie ohne Einfluss, einzubringen.

Das parlamentarische Abgeordnetenmandat bietet jedoch deutlich darüber hinaus, Möglichkeiten von Einflussnahme auf gesellschaftliche Entwicklung. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Und natürlich ist die Verlockung für Jeden, der darauf brennt, die dringend nötigen Umbrüche mit eigenem Zutun zu begleiten, groß, ein solches Mandat auch anzustreben. Vor allem jetzt, da die Demoskopen mit ihren Befunden zusammen mit der Wahl im Saarland mächtig viel Wind in unsere Segel blasen. Nach einer kurzen Abwägung im Zusammenspiel mit den Ereignissen um die Direktkandidatenwahl in Hannover bin ich nunmehr zu der Entscheidung gelangt, meine bisherige Parteiarbeit, um eben diese größere Mitwirkungsoption, für 5 Jahre, erweitern zu wollen. Ja, ich will mitmischen, will gestalten, will dem Politik-Establishment kräftig auf die Füße treten und dabei einem Paradigmenwechsel im Selbstverständnis der Regierenden gegenüber den Regierten Vorschub leisten. Ich würde demnach die Arbeit in meinem Arch.-Büro und alle anderen beruflichen Aktivitäten ruhen bzw. durch einen Partner vertreten lassen, um die Gelegenheit der nächsten Legislaturperiode vollumfänglich nutzen zu können. Nutzen, um Politik im Sinne unserer Partei zu machen... Politik mal wieder zur Abwechslung für die Bürger !


Mein Weg in den Landtag

Mein Weg in den Landtag hängt vom Votum des LPT, meinem persönlichen Wahlkampfeinsatz und entscheidend und final von der Gunst der niedersächsischen Wähler ab.


Mein Weg aus dem Landtag

Mein Weg aus dem Landtag sollte nach Beendigung der Legislatur erfolgen. Denn ich bin der Überzeugung, dass jeder noch so ambitionierte und fachlich gute Politiker austauschbar ist und deshalb keine Notwendigkeit besteht, einem Abgeordnetenbank-Drücken das Wort zu reden. Ich jedenfalls habe nicht die Absicht, mit der Blüte meines Lebens beginnend, als Politiker grau und alt zu werden. Ich werde deshalb – am liebsten nach fünf Jahren und nur auf ausdrücklichen Wunsch der Parteibasis nach maximal zehn Jahren - anderen Piraten Platz machen, um neuen frischen Gesichtern die Chance eines eigenen und kreativen Engagements zu ermöglichen.

Was ich allerdings, im Fall des Ausscheidens nach einer von mir abgeschlossenen Legislatur, hoch und heilig verspräche, ist meine Erfahrungen und Netzwerke in den Dienst der dann folgenden Piratenfraktion zu stellen und insbesondere der/dem Kollegen/in, welche/r sich „meiner“ Fachthemen annimmt, voll und ganz zu unterstützen.